Ein normaler, letzter Aufstieg für den 1.FC Köln

Ich bin ehrlich: Ich benötige immer einige Zeit, um wichtige Ereignisse angemessen verarbeiten, einordnen und bewerten zu können. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es ganze 2 Tage dauert, um über den Aufstieg 2014 des glorreichen, dreimaligen Deutschen Meisters 1.FC Köln schreiben zu können.

Der Kölner neigt bekanntlich zu (geringfügigem) Pathos; und so würde eine Überschrift wie: “Ostermontag war der liebe Gott ein Kölner” wenig verwundern. Ich aber habe eine Überschrift gewählt, die aus meiner Sicht passender erscheint und aus zwei Bestandteilen besteht.

1. Bestandteil: Ein normaler Aufstieg für den 1.FC Köln

Eines vorweg: Ich war nicht im Stadion und das “freiwillig”; vielmehr durfte mein Onkel das Spiel aus der Südkurve erleben und das vollkommen verdient.

Ich habe dieses Blog – unter dieser Domain – gestartet, weil ich seit Beginn der Saison felsenfest vom Aufstieg 2014 überzeugt war. Weil wir schon in der Rückrunde der Vorsaison stark waren und immerhin um den Aufstieg mitgespielt haben; weil die Mannschaft bedeutend (Risse! Helmes! DER Helmes!) verstärkt wurde; weil das Umfeld besonnen und mit Wehrle, Schmadtke, Jakobs und Spinner hoch professionell agierte; und weil ich den Eindruck hatte, dass auch die Fans voll und ganz hinter der FC-Mannschaft standen. Was sollte da schief gehen?

Schnell zeigte sich, dass ich mit meiner Einschätzung Recht hatte – das Besondere war, dass die Mannschaft in jeder brenzligen Phase zurückschlug (Karlsruhe, St.Pauli). Für die jüngste Mannschaft der zweiten Liga einfach nur bemerkenswert.

Für mich ist der FC-Aufstieg eigentlich seit München klar – und die “offizielle” Aufstiegsparty soll es  gegen St.Pauli geben. Trotzdem wurde ich Ostermontag zunehmend nervös; und in ganz Köln spürte man eine gewisse Aufregung (was aber vielleicht auch am KEC-Spiel, dem Fahrradrennen Rund um Köln und der Deutzer Kirmes lag). Jedenfalls bereute ich schnell, nicht im Stadion sein zu können, weil ich folgenden irrationalen Gedankengang hatte:

Was, wenn der FC heute nicht aufstiegt, weil ich NICHT im Stadion bin?

An einem Ostermontag gegen Bochum und vor allem Neururer zu gewinnen ist für einen Verein wie den 1.FC Köln schließlich nicht leicht – besonders dann, wenn wir klarer Favorit sind und es weniger um das Spiel, sondern mehr um die Feierlichkeiten danach geht. Aber gut, wir haben das Ding gewonnen.

Der wunderschöne Moment des feststehenden Aufstiegs (aus den Augen des geschätzten @koellefornia, der sich im Vorfeld des Spiels einige Sorgen machte).

Als wir uns dann eine halbe Stunde nach Abpfiff auf den Weg zum Rudolfplatz machten, kam uns auf der Zülpicher Straße die Linie 9 entgegen. Die Linie 9? Keine Absperrungen?Keine Menschenmassen, die plötzlich und euphorisiert aus den Kneipen raus liefen? Die Zulpicher Straße war leer und auf dem Rudolfplatz war viel, aber bei weitem nicht soviel los wie 2008. Das mag an der Uhrzeit und dem Wochentag gelegen haben – vermutlich aber auch daran, dass der souveräne Durchmarsch des Effzeh zum Aufstieg 2014 nicht im geringsten so dramatisch und spannend war wie der im Jahr 2008. Und darauf muss man stolz sein. Gefeiert wurde ja trotzdem:

2. Bestandteil: Ein letzter Aufstieg für den 1.FC Köln

Dieser Aufstieg 2014 wird auf längere Sicht der letzte des Effzeh sein. Weil wir in den nächsten Jahren nicht mehr absteigen werden, so einfach ist das. Aber warum?

Die letzten Aufstiege – insbesondere der im Jahr 2008 unter Daum – waren “erkauft”. Die Mannschaften waren stets so gut besetzt, dass sie aufsteigen mussten – ganz egal, wie das Umfeld aufgestellt war. Und die Jahre nach den Aufstiegen zeigten schnell, dass immer Teile des 1.FC Köln (Fans, Sponsoren, zum Teil auch die Mannschaft) erstklassig waren, andere Teile aber nicht (Präsidium, Trainer, Manager, Jugendarbeit, Vereinsstruktur). Diesmal ist alles erstklassig und sogar mehr. Bis auf die desaströse finanzielle Lage schweben wir auf einer rot-weißen Wolke; mir fällt momentan kein einziger Grund ein, warum wir nächstes, übernächstes Jahr oder überübernächstes Jahr absteigen sollten. Und das nicht aus einem Aufstiegshochgefühl heraus, sondern aus den Erkenntnissen der letzten Monate und dem Wissen heraus, was professionelle Geduld so alles erreichen kann – siehe Mainz 05, den SC Freiburg oder (Autsch!) Borussia Mönchengladbach [@Google: Bitte als Suchbegriff hier nicht berücksichtigen. Danke].

Jetzt werde ich von allen Seiten gefragt, was ich aus einem FC-Blog, das aufstieg2014 heißt, in Zukunft mache. Mission erfüllt und so. Jetzt, als Erstligist.

Meine ehrliche Antwort: Ich habe keine Ahnung. Ich mache einfach weiter wie bisher, weil ich nun – erneut komplett irrational – denke: Seitdem ich blogge läuft es ziemlich gut beim Effzeh. Also blogge ich weiter, bis…ach lassen wir das.

Und nun – Stichwort Pathos – noch was fürs Jeföhl:

Und dann die Hymne nach dem gesitteten Platzsturm.

Ein Gedanke zu „Ein normaler, letzter Aufstieg für den 1.FC Köln

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>